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Am 11. Oktober war die Autorin Jennifer Teege zu Gast am AvH. In der Stadtteilbücherei las sie aus ihrem berührenden Buch, genauer gesagt aus ihrer, wie sie selbst sagt, Familienchronik. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe und weitere Zuhörer, dass Frau Teege erst im Alter von 38 Jahren durch Zufall ein „toxisches“ Familiengeheimnis“ entdeckte: Ihr Großvater war nämlich der berüchtigte KZ-Kommandant Amon Göth, der als Kommandant des Konzentrationslagers Plaszów bei Krakau während des Zweiten Weltkrieges für den Tod Tausender Menschen verantwortlich und für seine besondere Grausamkeit berüchtigt war.

In ihrer rund sechzigminütigen Lesung nahmen die überwiegend jugendlichen Zuhörer sichtbar Anteil am schwierigen und berührenden Verarbeitungsprozess der Autorin, erfuhren vom Schock, den die Erkenntnis über ihre Abstammung in ihr auslöste und wie diese auch das Bild von ihrer als liebevoll und zugewandt empfundenen Großmutter veränderte.

Im Anschluss an die eindrucksvolle Lesung hatten die Zuhörer die Möglichkeit, Fragen an Frau Teege zu stellen, für deren Beantwortung sie sich viel Zeit nahm. So sucht sie zum Beispiel die Öffentlichkeit, um mit ihrer Geschichte deutlich zu machen, dass „toxische“ Familiengeheimnisse erst dann ihr Macht verlieren, wenn man über sie redet. Vor allem aber geht es darum, den Holocaust, Unmenschlichkeit und Ausgrenzung nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ein Ziel, dem sie an diesem Vormittag sicher ein großes Stück nähergekommen ist.

 

 

Christine Lutz, OStRin