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Vor 150 Schülerinnen und Schülern hielt der Zeitzeuge und freiberufliche Referent für politische Bildungsarbeit in Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung einen 90-minütigen Vortrag über den Versuch der DDR-Regierung, Antworten auf Rock und Roll und Popmusik zu finden, die die eigene Jugend vor musikalischen Einflüssen aus dem Westen „schützen“ sollte.

Ein Versuch, für den große Ressourcen aufgewendet wurden und der scheiterte, der viel Leid verursachte und nach 1989 viele korrumpierte Persönlichkeiten zurückließ.

Wenn es um die Aufarbeitung von erlittenem Unrecht in der DDR geht, weiß Lukow sehr genau, wovon er spricht. Einst selbst in der FDJ aktiv, brach er als 18-Jähriger mit dem DDR-Regime und wurde 1981 wegen versuchter Republikflucht zu 20 Monaten Freiheitsentzug in Bautzen II verurteilt. Nach seiner Entlassung engagierte er sich in der Kulturszene Ostberlins und kirchlichen Friedenskreisen, erst 1989 konnte er mit seiner Familie in den Westen ausreisen.

In seinem Vortrag beschreibt Lukow anschaulich den Versuch der Kulturverantwortlichen der DDR, musikalische Antworten auf westliche Musik zu finden, die einerseits gehört wurden, andererseits aber auch stets unter der Kontrolle der Stasi verbleiben sollten. Sehr anschaulich beschreibt Thomas Lukow, der selbst als Trompeter in der regimekritischen Musikszene aktiv war, Anfang und Entwicklung diverser Pop-Ensembles und vieler Künstler, immer begleitet und durchsetzt mit Stasi-Spitzeln.

Um Lücken gerade im Wissen um die allerjüngste deutsche Vergangenheit zu füllen, arbeitet Lukow im Rahmen seiner politischen Bildungsarbeit nicht nur als freier Mitarbeiter in den Gedenkstätten Normannenstraße und Hohenschönhausen, sondern er hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, Schülerinnen und Schülern im Zuge der Auseinandersetzung mit seiner Person und seinem Schicksal vom Leben als Jugendlicher im real existierenden Sozialismus zu berichten.

Auf den Gesichtern seiner jungen Zuhörer ist dabei mehr als einmal abzulesen, dass das Thema DDR und ihr Umgang mit vermeintlichen Regimegefährdern in weiten Teilen Neuland darstellt. Keiner der Oberstufenschüler war 1989 schon auf der Welt, die von Lukow geschilderten und teilweise völlig absurden Maßnahmen des sozialistischen Regimes zum Beispiel mit dem Ziel der „Zersetzung“ von Individuen kaum vorstellbar. Eines machte die in Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung organisierte Veranstaltungen auch deutlich: Die Aufarbeitung des DDR-Unrechts ist auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch lange nicht abgeschlossen. Um Freiheit und Demokratie zu sichern, bedarf es der intensiven Aufklärung, der Wissensvermittlung und der Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Geschichte und ihren Hinterlassenschaften, auch und gerade an Schulen.

OStD Christoph Zänglein