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Sozialkunde

Heiligenhof Bad Kissingen

„Eine Gurke der Handelsklasse „Extra“ darf maximal eine Krümmung von zehn Millimetern auf zehn Zentimetern Länge aufweisen“ (Verordnung Nr. 1677/88/EWG zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Gurken) – diese Rechtsvorschrift ging in die Geschichte der Europäischen Union als die so genannte „Gurkennormverordnung“ ein und sorgte beim durchschnittlichen EU-Bürger für ein Kopfschütteln. Auch führt beispielsweise die Komplexität der einzelnen EU-Institutionen immer wieder dazu, dass der EU-Bürger eher mit einem Schulterzucken reagiert, wenn in den Medien über die EU berichtet wird. Die Unterscheidung zwischen dem „Rat der Europäischen Union“ und dem „Europäischen Rat“ fällt schwer, vor allem wenn es dann noch den „Europarat“ gibt, der aber formal gar nichts mit der Europäischen Union zu tun hat. Auf der anderen Seite spielt die EU aber für Deutschland und den anderen Mitgliedstaaten eine eminent wichtige Rolle, und das nicht nur seit der Euro-Krise oder der Flüchtlingsproblematik.

Um den Schülerinnen und Schülern der 10. Jahrgangsstufe einen Einblick in die Strukturen und Entscheidungsprozesse der Europäischen Union zu geben, veranstaltet das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium im Rahmen seines Fahrtenkonzeptes schon seit mehreren Jahren eine zweieinhalbtägige Fahrt nach Bad Kissingen an den Heiligenhof, um dort ein EU-Planspiel durchzuführen.

Planspiele sind ein Mittel der politischen Bildung, Inhalte und Verfahrenswege transparent und teilnehmerorientiert zu vermitteln. Auf diesem Wege soll die Komplexität von politischen Prozessen aufgezeigt und Wirkungszusammenhänge können nachvollziehbarer gestaltet werden. Die Schülerinnen und Schüler werden im Planspiel zu selbstständig handelnden Akteuren, die in der Rolle von politischen Entscheidungsträgern empathisch erleben, welche Faktoren bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden müssen.

Um die Wirkungszusammenhänge zu verstehen, wird anhand eines Themas ein Szenario dargestellt, das die Ausgangsbasis für alle weiteren Entscheidungen darstellt. Es ist so gewählt, dass auf der Basis des reellen Entscheidungsweges viele Optionen möglich sind. Das Planspiel selber ist „ergebnisoffen“, d.h. die Entscheidungen, die von den Teilnehmenden getroffen werden, werden nicht während des Planspiels beeinflusst, sondern erst nach Spielende auf ihre Realitätsnähe hinterfragt.

Das Thema eines Planspiels wird vor Spielbeginn mit den Teilnehmenden besprochen, damit sie die Hintergründe verstehen. Dabei wird zum einen Grundlagenwissen gelegt. Zum anderen werden Themenbereiche angesprochen, die Bestandteil bzw. Diskussionsgrundlage im Planspiel sein können.

Die Schlüsselqualifikationen der Teilnehmenden werden ebenfalls gefördert. So ist der Wille zur Zusammenarbeit in einem kleinen Team ebenso notwendig wie die Diskussions- und Argumentationsfähigkeit vor einer größeren Gruppe. Die freie Rede kann dabei genauso geübt werden wie die Überzeugungsfähigkeit.

Ein Planspiel ist anders als der „normale“ Sozialkunde-Unterricht. Jedes Planspiel ist nur so attraktiv und spannend, wie die Mitspielenden aktiv und kreativ sind.

Die Grundlage des Planspiels, das den Schülerinnen und Schülern begegnen wird, ist ein Migrationsszenario, bei dem sich Menschen aus Afrika auf die Grenzen der Europäischen Union hinbewegen – ein Szenario das also überaus aktuell ist. Die Teilnehmenden, die eine Konferenz des Rates der Außenminister der Europäischen Union darstellen, beschäftigen sich in diesem Zusammenhang mit Themen wie den Gründen für Unterentwicklung in der Dritten Welt, den Ursachen für die Migration, den Möglichkeiten und Grenzen der Entwicklungszusammenarbeit, der Frage nach dem Rechtsstatus von Migranten sowie dem Schutz der EU-Außengrenzen.

Die Fahrt an den Heiligenhof findet jeweils in der zweiten Schuljahreshälfte statt. Einen detaillierten Elternbrief, der noch einmal sämtliche Informationen (genaue Kosten, konkreter Termin, begleitende Lehrkräfte, …) bündelt, erhalten die Schülerinnen und Schüler bereits im ersten Schulhalbjahr.