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Der Theaterleiter des Theaters der Stadt Schweinfurt und neue Kulturamtsleiter der Stadt, Herr Christian Kreppel, informierte am Dienstag, dem 19. Januar 2016, im Rahmen unserer Vortragsreihe die Schülerinnen und Schüler unseres 10. Jahrgangs über das Theater allgemein und über das Theater in Schweinfurt im Besonderen.

Der Österreicher Christian Kreppel begann seinen Vortrag mit knappen Hinweisen zu seiner Biografie: Bereits als Kind wurde er von seinen Eltern mit in die Wiener Staatsoper genommen, sein Vater war dort Opernsänger, die Mutter war ebenfalls Sängerin, somit war sein Theater-Weg gleichsam vorgeprägt. Dennoch begann er ein Medizinstudium, das er jedoch bald zugunsten der Theaterwissenschaften aufgab. Schon während des Studiums nahm er Gesangsunterricht und machte Erfahrungen in verschiedenen Berufen, indem er sich „ausprobierte“, wie er sagte, auch als Barkeeper, auch als Bühnentechniker und in anderen Bereichen, jedenfalls entdeckte er sein Talent auf dem Gebiet der Organisation und Disposition. Mit 27 Jahren wurde er danach bei Eurostudio Landgraf, einer großen Agentur für Musik- und Theaterproduktionen, Chefdisponent und verantwortlich für große Tourneetheaterproduktionen von Finnland bis Korsika. Seit Januar 2006 leitet Christian Kreppel das Theater der Stadt Schweinfurt, zudem ist er seit drei Jahren ehrenamtlicher Präsident der INTHEGA, der Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen.

In seinen weiteren Ausführungen stellte Christian Kreppel die Arbeit eines Theaterdirektors vor. Er erwartet von einem Theaterleiter, am Puls der Zeit zu sein, d.h. der Spielplan sollte Bezug zur heutigen Welt nehmen, sollte auch aktuelle Themen aufgreifen. Damit verband Herr Kreppel einen Appell an die zuhörenden Schüler, sie mögen lesen, nicht nur Literatur – als Anschauungsmaterial hatte er den Literatur-Kanon von Hellmuth Karasek mitgebracht -, sondern sie mögen sich auch informieren durch überregionale Tageszeitungen und Wochenzeitschriften.

Mit der Frage „Wozu brauchen wir das Life-Erlebnis Theater?“ trat Herr Kreppel in einen Dialog mit seinen Zuhörern. Er berichtete von Umfragen zum Freizeitverhalten der Deutschen und überraschte mit folgenden Zahlen: 35,5 Millionen Deutsche gehen jährlich ins Theater, und 13 Millionen Deutsche besuchen Spiele auf dem Fußballplatz. Danach trug er nachvollziehbare Überlegungen zur Funktion des Theaters vor, unausgesprochen nahm er dabei Bezug auf Aristoteles, auf Schillers Moralische Anstalt und auch auf Bertolt Brechts Lehrtheater. Er sprach davon, dass das Theater den Menschen einen Spiegel vorhalten und Lebensentwürfe abbilden müsse, dass es zur Reflexion aufrufe und zum Erkennen der eigenen Handlungsspielräume führen könne..

Im Anschluss daran zeichnete er ein Bild von der Vielfalt der deutschen Theaterlandschaft, mit öffentlich getragenen Theatern, Privattheatern, Orchestern und anderen Kulturvereinigungen. Eindrucksvoll waren die Hinweise auf unsere fränkische Region, auf die Theater und Festspiele von Würzburg über Bamberg, von Bad Kissingen über Schweinfurt, von Coburg bis Meiningen. Er betonte, dass Kultur immer ein Zuschussgeschäft sei, dass Kultur immer abhängig sei von Geldgebern. Geradezu ins Schwärmen kam der Theaterleiter Christian Kreppel über die überaus positive Situation in Sachen Kultur der Stadt Schweinfurt.

H. Hirsch