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Die Vortragsreihe am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium wurde am 21.10.2015 mit einem ungewöhnlichen Ereignis fortgesetzt. Durch die Vermittlung von StRin Diana Wolf konnte ein 32 Jahre alter Chemiker aus Syrien gewonnen werden, von seiner Flucht nach Deutschland zu berichten. Er hielt seinen Vortrag in deutscher Sprache und erreichte so die gespannte Aufmerksamkeit seiner Zuhörer.

 

Unter der Überschrift „Ein Traum von Deutschland“ zeichnete Anjoulih Pawelka vom Schweinfurter Tagblatt am Donnerstag, 29.10.2015, auf der Seite 23 unter Stadt Schweinfurt diese schulische Veranstaltung nach:

„Eigentlich wollte er nicht fliehen. Drei Jahre hat er in Syrien trotz Bürgerkriegs gelebt. Dann ging es nicht mehr. `Die Situation wird immer schlimmer. Zivilisten geraten ständig zwischen die Fronten´. Hussein wurde vor zwei Jahren angeschossen, als er einen Parkplatz in der Nähe seines Hauses suchte. Die Kugel steckt noch immer in seiner Schulter. Er schildert, dass die Regierung dauernd neue Soldaten braucht. `Daher müssen alle Männer zwischen 18 und 42 Jahren zum Militär´. Dies sei einer der Hauptgründe für die Flucht vieler junger Männer. `Wir wollen nicht bei diesem Bürgerkrieg mitmachen und als Kanonenfutter dienen´.

Hussein redet laut und deutlich, manchmal versteht er aber nicht ganz genau, was er sagt, die Worte, die dort auf seinem Zettel stehen. Dann stockt er und betont die Worte falsch. Er erzählt, wie er nach dem Tod seiner Mutter beschloss, Syrien zu verlassen. Am 11. November 2014 hat er sich auf den beschwerlichen Weg gemacht.“

Dieser Weg führte ihn zuerst mit dem Bus, vorbei an vielen Straßensperren, von Damaskus zur türkischen Grenze, dann erreichte er, ausgehend von Istanbul, mit Hilfe von Schleppern auf einem Obsttransporter einen Ort an der türkischen Küste, um die gefahrvolle Fahrt über das Mittelmeer zu beginnen. Frau Pawelka schreibt weiter: „Hussein erzählt, wie Wasser in das kleine Boot lief und die Frauen schrien. Er erzählt, wie sie endlich internationales Gewässer erreichten und in ein größeres Schiff umsteigen mussten. `Das Problem war, die beiden Schiffe in dem unruhigen Meer nahe aneinander zu bringen´. Hussein richtet seine Brille. Nach kurzer Pause spricht er weiter. Zwischen 18 und 20 Stunden verbrachten sie unter Deck. In Kälte und Schmutz, mit nur einer Toilette – für 150 Personen.“

Nach fünf Tagen im italienischen Gefängnis erreichte er nach Stationen in Italien und Frankreich endlich Deutschland. Hier hofft er nun, seine Frau und seine beiden Kinder nachholen zu können. Nachdem der Syrer den überaus interessierten Schülerinnen und Schülern der 10. Jahrgangsstufe von seiner Flucht erzählt hatte, moderierte der Schulleiter, OStD Zänglein, das anschließende Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern. Hussein stellte sich den Fragen und antwortete auf Englisch, er erklärte noch einmal die politische Situation in seinem Heimatland und seine Beweggründe zur Flucht, er teilte seinen Zuhörern mit, warum es für ihn wichtig war, einen Schlepper zu bezahlen, um überhaupt eine Chance zu haben, und er legte dar, auch unter Tränen, was es für ihn bedeutet, getrennt von seiner Frau und seinen Kindern zu leben. Seit Wochen und Monaten ist das Thema „Flüchtlinge“ in unserem Fokus, durch diesen eindringlichen und bewegenden Vortrag und durch das folgende Gespräch haben die Zuhörer am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium neue Einblicke in dieses Thema erhalten.

H. Hirsch

 

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