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Im Rahmen der Vortragsreihe war am Freitag, den 15. Juli 2016 Professor Ivo Welch zu Gast am AvH und hielt einen Vortrag für die 10. und 11. Jahrgangsstufe. Welch ist professor of finance and economics an der University of California Los Angeles (UCLA) und gehört zu den angesehensten Wirtschaftswissenschaftlern weltweit. Er wurde 1963 in Schweinfurt geboren und hat bei uns am AvH sein Abitur abgelegt. Aus dem Plan, nur einen Teil seines Studiums in den USA zu absolvieren, wurde eine dauerhafte Lösung und er durchlief als Stationen seines beruflichen Wirkens die renommierten Universitäten Columbia, UCLA, Yale und Brown. Zurzeit besucht er Freunde und Verwandte in Deutschland und hält Gastvorträge an deutschen Universitäten. Sein Sohn Arthur besucht während dieser Zeit eine 6. Klasse am AvH.

Nach einer kurzen Vorstellung seiner Biografie und seines beruflichen Werdegangs betonte Professor Welch die herausragende Bedeutung der englischen Sprache in der akademischen Welt im Allgemeinen und in seiner Disziplin im Besonderen. Im Anschluss stellte er die Fragen vor, mit denen er sich beschäftigt und gab somit einen kurzen Einblick in seine Arbeit:

  • Wie investieren Privatpersonen und Unternehmen sinnvoll? Welche Risiken und zukünftigen Entwicklungen sind dabei zu beachten?
  • Wie kommen große Konzerne an mehr Geld?
  • Wie soll besteuert werden?
  • Wer soll Unternehmen besitzen?
  • Sollen Unternehmen nur Gewinn machen oder auch andere Ziele verfolgen?

Daneben ging er auf die Problematik der Desinvestition z.B. in der Zigaretten- oder Kohleindustrie ein. Seiner Meinung nach würden bei einem Rückzug bisheriger Investoren sofort andere einspringen, sodass dies zum jetzigen Zeitpunkt wenig sinnvoll sei. Zudem gab er einen Überblick über die Entwicklung US-amerikanischer und deutscher Aktien in den vergangenen 100 Jahren und betonte die Bedeutung der Erhebung von Daten. Die wichtigsten Berufe seien bereits jetzt diejenigen, die verstanden hätten, wie man Gewinn bringend mit Daten umgehe (z.B. Google, Amazon). Als Beispiel für eine eher unerwartete Korrelation erläuterte Professor Welch den Zusammenhang zwischen Datenerhebung und Justizwesen in den USA. Jeder Straftäter erhalte für seine Tat eine gewisse Punktzahl (score), die auf der Schwere des Verbrechens und eventuell dem Tatbestand der Wiederholungstat beruhe. Dieser individuelle score entscheide dann über die Zuweisung zu einer bestimmten Gefängnisart (z.B. Hochsicherheitsgefängnis).

Im Anschluss an den Vortrag stellten einige Schülerinnen und Schüler Professor Welch noch Fragen, bei denen es besonders um die moralischen Implikationen der massenhaften Erhebung von Daten und die Voraussetzungen für ein Studium in den USA ging. Der Gastredner empfahl die Ableistung des grundständigen Studiums in Deutschland und erst danach die Bewerbung um einen post-graduate Studienplatz in den USA.

Professor Welch schaffte es während des Vortrags, durch das Herunterbrechen komplexer Sachverhalte und durch konkrete Beispiele den Schülerinnen und Schülern einen wertvollen Einblick in die Welt der Finanzökonomie und der amerikanischen Universitäten zu geben.

M. Rascher