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Am 13.12.2018 brachen die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe zur alljährlich stattfindenden Weimarfahrt auf. Nach einer rund zweistündigen Busfahrt erreichten wir Deutschlands Zentrum der klassischen Dichtkunst um 1800.
In dieser Zeit formierte sich in der thüringischen Stadt auf Initiative von Anna Amalia, der Mutter des Herzogs Karl August, ein intellektuelles Viergestirn, bestehend aus den Dichtern Wieland, Herder, Goethe und Schiller, deren Schaffensperiode heute als Weimarer Klassik bekannt ist.

Zunächst besuchten wir das Goethe Nationalmuseum, das uns vielfältige und wissenswerte Einblicke in das Leben und Wirken des Dichters gewährte. In einer Führung wurden neben Fakten auch die Lebensumstände und der Alltag Goethes auf anschauliche Art und Weise präsentiert.

Die Ausstellung im Besonderen umfasst kunst- und naturwissenschaftliche Objekte aus Goethes Sammlungen, Briefe und Tagebücher, Alltagsgegenstände und persönliche Erinnerungsstücke, welche unter den Leitbegriffen Genie – Liebe – Kunst – Natur geordnet und so für den Betrachter äußerst nahbar und ersichtlich sind.

Danach hatten wir die Möglichkeit einer Besichtigung von Goethes Wohnhaus, das sich direkt an das Museum anschließt. Mit Hilfe von Audioguides durften wir selbständig einen Rundgang durch die Wohn- und Arbeitswelt des Dichterfürsten unternehmen.

In den schlicht ausgestatteten Kammern, die dem Haus einen atmosphärischen Eindruck verleihen, wurde das vielfältige Interesse des Dichters für die Malerei, die Literatur sowie auch Geologie deutlich, wie zahlreiche Gemälde, eine Bibliothek sowie eine umfassende Steinsammlung zeigen. Der Höhepunkt war das Arbeitszimmer des Hauses, in dem Goethe, auf einem „alten, hölzernen Stuhl“ sitzend, zahlreiche Werke wie „Faust“ oder „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ schuf.

Ein Nebenflügel enthielt die Räumlichkeiten seiner Gattin Christiane Vulpius. Für diese Liaison mit einer aus einer armen Arbeiterfamilie stammenden Frau musste sich Goethe vielerlei Kritik erwehren. Zu ihr hatte er eine innige Beziehung, war sie für ihn doch eine wichtige Stütze im Leben.

Nach einer zweistündigen Freizeit stand eine Stadtführung auf dem Programm. Ausgangspunkt war das Goethe-Schiller-Denkmal auf dem Theaterplatz vor dem Deutschen Nationalmuseum, das die beiden Kulturväter der Stadt abbildet. Obwohl Goethe wesentlich kleiner war als Schiller, wurde das Dichterpaar interessanterweise zugunsten ihrer literarischen Gleichrangigkeit in gleicher Körpergröße dargestellt.

Anschließend ging es zu Schillers ehemaligem Wohnsitz, der jedoch in keinster Weise mit dem Goethes zu vergleichen ist. Dazu muss man wissen, dass Goethe als Staatsminister unter dem damaligen Herzog und Gönner Karl August über ein hohes Einkommen verfügte und sich deshalb ohne jeglichen Druck künstlerisch sowie dichterisch viel freier ausleben konnte als Schiller, der als Familienvater auf das Schreiben um des Geldes willen zur Ernährung seiner Familie angewiesen, beinahe schon gezwungen war.

Nach einem Zwischenstopp an der Bauhaus-Universität, einer der renommiertesten Universitäten für Architektur und Bauwesen in Deutschland, wurden wir zum Park an der Ilm geführt. Dort befindet sich auch Goethes Gartenhaus, in das er sich oft zurückzog, um neue Inspiration für seine Werke zu finden.

Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist der Ginkgo-Baum. Als Naturforscher beschäftigte sich Goethe neben der Dichtkunst mit Botanik und Gartenkunde. Zu dessen Lebzeiten war es unter den Adeligen ein beliebtes Hobby, Pflanzen ferner Länder zu importieren und hierzulande zu züchten. So kam auch der Ginkgo-Baum nach Weimar und Goethe widmete diesem sogar ein Gedicht. Heute wird in vielen Souvenirs-Läden Ginkgo-Tee verkauft mit dem „Versprechen“, er würde  schöpferische Kräfte verleihen.

Sehenswert waren zudem die Reiterstaue von Karl August, das Residenzschloss sowie auch das Hotel Elephant, in dessen vier Wände bereits viele Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Sport nächtigten.
Die Außenfassade ziert ein Zitat aus Goethes Faust:

Hier bin ich, Mensch
Hier darf ich’s sein.

Ausgedrückt wird die beglückte, befreite Stimmung Fausts während des Osterspaziergangs in der Szene „Vor dem Tor“. Goethes Zitat ist auch für die Stadt besonders zutreffend. Sie präsentierte sich uns offen, fröhlich und aufgeschlossen - eben nach der Philosophie Goethes. Und so traten wir um circa 16 Uhr mit vielen interessanten und faszinierenden Eindrücken den Rückweg zurück nach Schweinfurt an.

Felix Markert, Q11