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Faschingsdienstag – 7.30 Uhr – Schweinfurt Hauptbahnhof – pfeifender Wind. Während nahezu alle anderen Schüler noch in ihren Betten lagen, machte ich mich auf den Weg zum MINT-EC-Camp nach Freiberg (Sachsen). Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, es lagen vier sehr interessante und informative Tage vor mir.

Nach einer circa vierstündigen Zugfahrt erreichte ich schließlich Freiberg und bezog die Pension. Anschließend ging es zum Treffpunkt in das Schloss von Freiberg.

Dort traf ich mich erstmals mit den anderen 15 Camp-Teilnehmern aus ganz Deutschland. Damit wir in den nächsten Tagen auch praktisch arbeiten konnten, erfolgte zunächst eine Arbeitsschutzbelehrung. Danach stellte sich die TU Bergakademie Freiberg mit ihren Studienmöglichkeiten vor. Als letzter Programmpunkt des ersten Tages stand eine interessante Führung in der terra mineralia, einer Sammlung von über 3500 Mineralien, Edelsteinen und Meteoriten, an. Wir konnten die Steine in ihrer Form- und Farbvielfalt betrachten und erfuhren über deren technischen Nutzen. So wird der Kristall Turmalin beispielsweise sowohl als Schmuckstein für zum Beispiel den DFB-Pokal als auch für technische Zwecke genutzt. Einige Bewegungsmelder enthalten beispielsweise solche Kristalle, da schon sehr kleine Temperaturänderungen, die beim Passieren eines Bewegungsmelders vorkommen, eine elektrische Spannung hervorrufen können.

Vom Roheisen zur Fahrzeugfeder – unter diesem Motto standen dann für mich und sechs weitere Teilnehmer die folgenden Projekttage, der eigentliche Hauptteil der Veranstaltung. Die andere Hälfte der Teilnehmer beschäftigte sich intensiver mit Kupfer. Nach einer kurzen theoretischen Einführung, wie man Stahl aus Eisenerz oder auch aus Stahlschrott herstellen kann, setzten wir dies in die Praxis um. Mit Schutzkittel und Helm mit Augenschutz, der vor gefährlicher Strahlung schützen soll, konnten wir das schon auf circa 1400oC erwärmte Eisenerz „frischen“. Dies bedeutet, dass reiner Sauerstoff dem Erz zugeführt wird, wodurch der Kohlenstoff mit dem Sauerstoff erst zu Kohlenmonoxid reagiert und dann aufgrund der Hitze direkt zu Kohlenstoffdioxid verbrennt. Dadurch wird der Stahl duktiler, also besser formbar und weniger spröde, denn je geringer der Kohlenstoffanteil im Stahl und je reiner der Stahl ist, desto dehnbarer wird er. Diese Flexibilität des Stahls ist für einige Anwendungen, wie beim Motorhaubenbau, sehr wichtig. Anschließend wurde der Stahl noch mit Aluminium desoxidiert, um den Sauerstoffgehalt zu vermindern. Die Stahlindustrie nutzt genau diese Verfahren des Frischen und Desoxidieren zur Herstellung von Stahl im sogenannten Konverter. Im Labor wurden mit Hilfe zweier Verfahren die Bestandteile des Stahls analysiert um festzustellen, ob der Stahl die gewünschten Eigenschaften hat. Zufrieden mit den Laborergebnissen schmiedeten wir diesen. Im Anschluss an den Praxisblock, der fast einen ganzen Vormittag füllte, folgte eine Vorlesung zur Stahlumformung. So wurde uns erklärt, wie man aus Stahl die verschiedensten Produkte, wie Rohre, Dosen, gebogene Teile und viele mehr herstellt. Ebenso wurde auf Stahllegierungen, also Stahl mit Beimischung anderer Atome, eingegangen. Dies wirkt sich auf die physikalischen Eigenschaften der Stahllegierung aus. Anschließend wurde uns gezeigt, wie Maschinen Stahl schmieden, walzen und pressen, wodurch ein Bezug zur Praxis hergestellt wurde. Am Abend fanden dann noch ein Treffen und ein gemeinsames Grillen mit dem RaceTech-Racing-Team der Uni Freiberg statt, das einen kurzen Einblick in ihr Projekt gaben. Das RaceTech-Team ist eine Gruppe von über 50 Studenten, die ihren eigenen Rennwagen konstruieren, bauen und dann auch im Rahmen der Formula Student Rennen fahren.

Am Donnerstag besichtigten wir die Automobilzuliefererfirma Scherdel in ihrem Werk in Marienberg. Zu den Kompetenzen der Scherdel-Gruppe mit Hauptsitz in Marktredwitz (Oberfranken) und 29 Standorten in elf Ländern zählen Metallumformung, Montage- und Fügetechnik, Oberflächentechnik, Werkzeug- und Maschinenbau. So ist in 80% aller Autos mindestens ein Teil von Scherdel enthalten. Es war beeindruckend, wie mit Hilfe großer Industrieroboter beispielsweise Rückenlehnen, Armlehnen und Federn für die Automobilindustrie hergestellt werden. Wieder in der TU in Freiberg angekommen, fand die Werkstoffprüfung der am Vortag gegossenen Proben statt. Zuerst führten wir einen Kerbschlagbiegeversuch, bei dem die Stahlprobe bei verschiedenen Temperaturen (-196oC, 22oC und 100oC) zerschlagen wurde, durch. Dieser Versuch ist ein in der Werkstoffprüfung eingeführtes Verfahren, bei dem die Zähigkeitseigenschaften des Stahls bestimmt wird. Danach haben wir mit einem Zugversuch, bei dem die Probe bis zum Zerreißen gezogen wurde, Erkenntnisse über die Härte des Stahls gewonnen. Am Abend erstellten wir in Kleingruppen kurze Präsentationen zu einem mit dem Hauptthema „Werkstoffwunder Automobil“ zusammenhängenden Themenbereich, die wir am Freitag dann vorstellten.

Nach den Präsentationen prägten wir an unserem letzten Projekttag noch Medaillen mit dem Universitätswappen und gossen einen Smiley aus Zinn als Souvenirs und Andenken. Abschließend wurden noch die Teilnahmezertifikate verteilt, ehe ein sehr interessantes Camp endete, an dem jeder von uns wieder teilnehmen würde.

Lukas Dellermann, 10b